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Der Maschinenkünstler und Klangtüftler Martin Müller lebt und arbeitet in Basel (Schweiz). Er ist gelernter Mechaniker und übernimmt seit 1991 für verschiedene Auftraggeber die technische Umsetzung sowie die Mitgestaltung von Ausstellungen und führt audiovisuelle sowie künstlerische Projekte aus.
Diese Erfahrungen sowie die Auseinandersetzung mit der Musik und das Erlernen des Orgelspiels animierten ihn dazu, eigene Werke zu kreieren. 2002 begann er, interaktive Klangskulpturen und kinetische Objekte zu bauen. Im Zentrum seiner Arbeiten steht der Dialog: Dank den Sensoren an seinen Skulpturen begegnen sich Mensch und Maschine und erwecken so die Installation zum Leben. Müllers Arbeiten sprechen durch optische und akustische Effekte das Auge und das Ohr an.
Seit 2004 nimmt Martin Müller an nationalen und internationalen Ausstellungen teil.
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Anita Hugi, Journalistin und Chris Regn, Künstlerin und Kuratorin über Martin Müller
Wenn Martin Müllers kinetische Skulpturen sprechen würden, wäre es bestimmt Französisch. Zum einen weil sie Jules Vernes lesen, weil sie vielleicht die Kindheit von Louise Bourgeois verfolgt haben - und zum anderen der Poesie des Geheimnisvollen verpflichtet sind.
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Er baut und programmiert gesteuerte und interaktive, audiovisuell wirkende Apparate, die uns als Medien in eine behauptete, immer neu komponierte Klangwelt blicken lassen. Sie sind Illusionsapparate wie das Kino und Präzisionsmaschinen wie Uhrwerke.
Wir lassen uns alle gerne von Technik verführen. Technik thematisiert das Übernatürliche und das künstliche Leben: Musikmaschinen und Vergnügungsgeräte wurden sowohl auf dem Jahrmarkt als auch im bürgerlichen Salon zum Bestaunen und zur Unterhaltung vorgeführt.
Alle nutzen wir heutzutage Automatisierung, kennen Roboter und bestaunen die Sensationen der Technikmessen.. Bei der Pfauenmaschine der Künstlerin Rebecca Horn entfalten sich diese Facetten beim künstlichen Pfauenradschlag. Bei Martin Müllers kinetischen Objekten und Musikapparaten passieren mit unserem Zutun immer neue Effekte
für unsere Augen und Ohren. |
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Improvisation
ist die höchste Form der Konzentration, sagte der
amerikanische Experimentalfilmer Jonas Mekas. Martin Müllers
Kunstwerke entstehen in einem langen Erfindungs- und
Herstellungsprozess.
Er arbeitet als Künstler mit experimentierendem
Zusammensetzen verschiedener Ingredienzien zu interaktiv
improvisierenden Konstruktionen.
Der Ton hat sich bei ihm ergeben, die Technik sieht er als
Mittel zum Zweck. Und was bezweckt er? Die deutsche Künstlerin
Cornelia Sollfrank lässt mit ihrem Netzkunstgenerator
Maschinen für sich arbeiten und Kunst herstellen. Bei ihm
erscheinen die Maschinen als Gegenüber, die im (Kunst-) Raum
etwas aufführen. Er lässt sich von ihnen überraschen und
unterhalten . |
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Nachdem er sich sowohl mit Technik und Mechanik, als auch mit Belangen des Körpers geschult hat, sind seine oft figürlich anmutenden Skulpturen und seine Objekte programmierte, differenziert agierende interaktive Kommunikationsmedien, die physisch und live erscheinen können.
Ballons, Spielzeugteile, Schlagzeuge. Pfeifen, Pumpen, Nebel, Licht, unglaublich viele metallische Gelenke, Bögen, Schrauben und Kästchen voller Drähte und Platinen ergeben mit jeder seiner Skulpturen eine Art Darsteller für einen Salon-Abend. In einer halbdunklen, matten Poliertheit stehen diese filigranen Gebilde vor uns und beginnen plötzlich spastisch zu pumpen und zu klingen, zu dampfen oder zu leuchten. Material und Mechanik stehen offen vor uns und doch ist es das Geheimnisvolle, das uns mit ihnen verbindet. |
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Die Dinge haben womöglich Geheimnisse vor uns und wir warten auf die Botschaften, die sie uns überliefern. Martin Müllers nächste Skulptur sollte schreiben, wir möchten sie gerne lesen.
Text
von Dr. Tilo Richter, Kunsthistoriker, anlässlich der
Ausstellungseröffnung
vom 5. Februar 2009 im Forum Würth Arlesheim
Feuer, Wasser, Erde, Luft - in den Maschinenkunst-Objekten von Martin Müller begegnen
uns die Elemente in einer erstaunlichen Verknüpfung. Komplizierte Installationen lasten
schwer auf dem Boden, während sich körperlose Töne im Raum ausbreiten. Dieses
kontrastreiche Nebeneinander wird zum Kontinuum: Die Erde gab das Metall frei, Wasser
löst sich in Nebel auf, das Feuer wird wie von Zauberhand entzündet und gelöscht, die Luft
gerät in Schwingung und erzeugt Klänge.
Gerade in der Zusammenschau der verschiedenen charaktervollen Objekte entsteht ein
Ensemble von Akteuren. Sie werden Schau-Spieler, sind also solche, die zur Schau spielen.
Und wir Betrachter sind das Theaterpublikum. Und je länger wir diesem Treiben zuschauen,
umso mehr gewinnen die Kunstwerke ihr eigenes Gesicht. Sie perfektionieren ihre
besondere Art, sich zu bewegen, zu agieren und zu reagieren. Die Ausstellungshalle ist dafür
die Bühne und das schöne Wort «Geräuschkulisse» darf man getrost wortwörtlich nehmen.
In Martin Müllers kinetischen Objekten ahnen wir gerade noch die ordnende und
programmierende Hand des Technikers. Wie ein «Vater» hat er seinen «Kindern» das
Wichtigste mit auf den Weg gegeben, hat den Maschinen manches beigebracht, das sie auf
Abruf reproduzieren. Doch zugleich lenken intuitive Elemente das Geschehen. Der
Betrachter greift mitunter schon nur dadurch ein, weil er sich einer Installation nähert.
Manchmal ist es so simpel wie bei seinem Objekt «Klatscher» (2002), das Müller zum
blitzschnellen Nachahmer des vorgemachten Beifalls perfektioniert hat. Manchmal jedoch
ist alles viel komplexer und selbst der Künstler weiss nicht, was genau als Nächstes passiert.
Das Unplanbare wird zur Poesie.
Dieses poetische Element in Martin Müllers Arbeiten bildet einen weichen Hintergrund, in
den die so konkrete Technik eingebettet ist. Besonders eigenwillig scheint mir die
Wandlung des digitalen Prinzips von Null und Eins. Im Laufe des Geschehens entwickeln
sich aus dieser eindeutigen Vorgabe immer grössere Unschärfen. Der Künstler gibt anfangs
klare Dispositionen vor, die sich auf das Raster Ja oder Nein oder eben im mathematischen
Sinne auf Null oder Eins reduzieren lassen. Und doch stehen am Ende der kausalen Ketten
minimale Differenzen, immer verhalten sich Müllers Maschinen mit Eigenart und
Eigensinn, reagieren auf die schwarzweissen Vorgaben mit fein abgestuften Grauwerten.
Obwohl hier ein Zahnrad ins andere greift - im tatsächlichen und im übertragenen Sinn
- führen die Abläufe nicht zu einem Ziel. Alle Aufmerksamkeit gilt dem Dialog der Mechanik,
dem Zauber der ungeahnten Abläufe und Abhängigkeiten. Die Interaktion zwischen den
Teilen des Ganzen wird zur Kettenreaktion und diese zum Krimi der Elemente. Man fragt in
jeder Sequenz nach Ursache und Wirkung, denn dem Vermuteten folgt das Überraschende,
und diesem schliesslich Stillstand und Stille. Eine Stille, die keine Leere ist.
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